l'entre-deux-tours

Da hätten wir nun also ein klassisches Duell. Ségo-Sarko, links gegen rechts. Und die Erfahrung eines genialistischen französischen Wahlsonntags, die ich euch natürlich nicht vorenthalten will.

Der Fernseher wurde noch aufgetrieben, eine Deutsche wohnt in ner WG mit Fernseher, das musste natürlich genutzt werden! Ich bin da also mit meinem Ségo-Propagandamaterial von vor drei Wochen aufgetaucht, bereit fürs Wahlgetümmel Es war zu spaßig! Die Ergebnisse sind ja sicher auch in Deutschland ein wichtiges Thema zur Zeit, Sarko hat ca. 30%, Ségo 25%, Bayrou (UDF, Mitte, sehr überraschend, da letztes Mal 6%) 18% und Le Pen 11%. Des Weiteren unzählige Kleinstparteien, v.a. linke. Insgesamt gab es 12 (!) Kandidaten, von denen halt 8 unter 4% und verdammt viele unter 2% erreichten. Die Franzosen sind schon lustig: Im Parlament gibt es keine 5%- oder Sonstwasgrenze, dementsprechend viele Parteien sind dort vertreten. Darüber kann man ja denken was man will, zumindest ergibt es einen gewissen Sinn. Das diese ganzen Parteien, vom rechten Mouvement Pour la France bis zu den Kommunisten, den Grünen (winzig hier), der revolutionären Liga und was auch immer, auch zu den Présidentielles antreten, ist eine andere Sache. Vor allem, da sämtliche Kandidaten der linken Parteien am Sonntag Abend erklärt haben, vorbehaltslos hinter Ségolène zu stehen und sie im 2nd Tour am 6.5. (also der Stichwahl halt) zu unterstützen - wie es die Tradition der linken Parteien ist. Stellt sich also die Frage - warum dann überhaupt??? Man muss dazu sagen, dass diese Parteien normalerweise etwas mehr Stimmen bekommen. Das extrem schlechte Abschneiden dieses Mal ist einem Phänomen geschuldet, das natürlich ein ganz großes Thema am Sonntag war: der "effet 21 avril" - also die Tatsache, dass der erste Wahlgang am 21. April 2002 damit geendet hat, dass Le Pen (und nicht der PS-Kandidat Jospin) in den zweiten gekommen ist. Die Angst vor einer Wiederholung war ja groß in Frankreich, und das hat sicher zu einer überdurchschnittlich großen Unterstützung der PS geführt. Für die UMP wiederum bedeutete der "effet 21 avril", besonders weit rechts fischen zu gehen. Und das hat Sarkozy ja gemacht - ich weiß nicht, wie stark man das so mitbekommen hat, aber es ist teilweise sehr grauslich! Bayrou, der Mann der UDF, ist jetzt natürlich in einer interessanten Position. Kandidat der "Mitte", und weitaus erfolgreicher als man noch vor einigen Monaten gedacht hätte! Schon am Sonntag Abend haben PS und UMP begonnen, um seine Gunst zu buhlen - und in der Fernsehdiskussionsrunde war die einzige Frage an die UDF-Vertreter eigentlich nur, wann Bayrou seine Wahlempfehlung (auch was ganz Normales von den im 1er tour ausgeschiedenen) ausspricht - ich bin gespannt, was er im Endeffekt sagen wird! Die Fernsehdiskussionsrunde war eh noch so ein Fall für sich - gegen die wirken deutsche Politiker richtiggehend zahm und gesprächsfähig! Es war schon krass, wie sehr sich alle gegenseitig niedergebrüllt und unterbrochen haben *g* Man kann wunderbar lange Minuten damit verbringen, sich mit "Monsieur" - "Madame" gegenseitig davon überzeugen zu wollen, dass man doch nun mit Reden dran wäre... Auch die Moderatoren hatten so gar keine Chance *g* Durch die vielen Kandidaten (und Le Pen...) war natürlich ein sehr breites Spektrum anwesend, besonders aufgefallen sind natürlich Le Pens Tochter und der Mann vom Mouvement Pour la France... Die Wahlbeteiligung lag bei über 80% - höher als jemals zuvor in der 5e République, und verglichen mit deutschen Verhältnissen - naja! Aber man muss natürlich dazusagen, dass es bei den Parlamentswahlen ganz anders aussieht... Die sind übrigens diesen Sommer, kein Mensch kümmert sich drum. Naja, das präsidiale System halt...

Kurz gesagt, so eine Wahl in Frankreich ist echt ein Erlebnis! Ich finds schon direkt schade, dass ich zum 2nd tour in Spanien bin, der muss auf jeden Fall verfolgt werden! Und bis dahin - was sagt Bayrou, was sagt Le Pen, was machen Ségo (an ihrem Auftreten feilen?) und Sarko (noch weiter rechts fischen, um Le Pen-Anhänger zu mobilisieren, oder doch eher gegen Mitte = Bayrou?)? Man kann gespannt sein! Aber realistischerweise muss man ja sagen, dass die Chancen von Ségolène Royal eher sehr gering sind...

Die Formulierung "l'entre-deux-tours" habe ich übrigens von einem Artikel auf lemonde.fr. Die Konstruktion erinnert an l'entre-deux-guerres, die Zwischenkriegszeit - und wird meines Wissens nach im Allgemeinen auch nur in diesem Kontext gebraucht. Das sagt doch schon wieder was über die französische Politik aus

25.4.07 23:35
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen

Gratis bloggen bei
myblog.de