Wie schreibe ich eine Gliederung an die Tafel?

Gabs ja schon länger nimmer hier, aber es doch mal wieder allerhöchste Zeit für neue Berichte aus dem spannenden Unileben. Thema heute: siehe Titel. Ort mal wieder der 3-Stunden-TD über römische Geschichte. Da müssen pro Sitzung drei Referate gehalten werden, jeweils zwanzig Minuten. Es spricht nicht gerade für das Zeitmanagement der Franzosen, dass zwei der Referenten heute nach ca 2/3 ihrer Vorträge unterbrochen wurden wegen exzessiven Überziehens. Es spricht allerdings auch nicht unbedingt für die Dozentin, dem dritten Referenten einen ewig langen Vortrag über Zeitmanagement zu halten, weil er 23 Minuten gebraucht hat. "Haben Sie es daheim nicht geübt?" "Haben Sie die Zeit zum an die Tafel-Schreiben nicht eingeplant?" - Womit wir beim Thema wären. Die Gliederung und die Tafel. Über die Bedeutung französcher Gliederungen dürfte der treue Leser hinreichend informiert sein. Nicht allerdings über die der Tafel,meist das einzige eingesetzte Medium. Referent Nr. 1 teilte ein "Handout" aus, also die Gliederung, und verwendete die Tafel lediglich zum Anschreiben mehr oder weniger komplizierter Begriffe und zum Notieren von Zahlen / Buchstaben, die anzeigen sollten, bei welchem Gliederungspunkt er sich gerade befand. Ein vollkommen inakzeptables Vorgehen. Denn die Gliederung muss an der Tafel stehen! Der Referent wandte ein - der geneigte Leser mag sich mit diesem Standpunkt identifizieren - dass eine gedruckt vorliegenden Gliederung doch reichen müsse (ich füge hinzu: und besser ist). Aber nein: So überflüssiges Zeug wie Kopien sind nicht nötig, dafür ist es unerlässlich, dass die Titel aller Über- und Unterpartien an die Tafel geschrieben werden. Referent Nr. 2 nahm sich dies zu Herzen (er hatte auch keine Handouts). Während seines Referates schrieb er also fleißig die Titel an (und redete deshalb des Öfteren eher zur Tafel als zu uns), wobei er nach dem Ende jedes Hauptpunktes diesen mitsamt Unterpunkten wegwischte. Ein durchaus mangelhaftes Vorgehen. An dieser Stelle sah die geplagte Dozentin die Zeit gekommen für eine erneute Vermittlung (wie in der ersten Sitzung schon) der grundlegenden Technik des Gliederunganschreibens, unerlässlich für den erfolgreichen Werdegang des französischen Studenten. Man schreibe den Titel des Referates an. Daraufhin die erste Kapitelüberschrift, dann sukzessive die Unterüberschriften. Nach Ende des ersten Teils wische man die Unterüberschriften weg und notiere "grand deux" unter "grand un". Dann wieder die "sous-parties". Nach Ende des zweiten Teils wische man die Unterüberschriften weg und verfahre ebenso mit dem dritten Teil, auf dass man am Schluss den Referatstitel und die Kapitelüberschriften an der Tafel habe. Und wer nun glauben möge, dieses Vorgehen sei ein klassischer "acte gratuit", der sehe seinen Irrtum ein: bei den "concours", v.a. bei den Abschlussprüfungen fürs Lehramt, scheint die strikte Anwendung dieses Schemas unerlässlich zu sein. ich befürchte wirklich, es sind nicht nur leere Drohungen, wenn die Dozentin immer wieder betont, dass ein Student, der von diesen Vorgaben abweicht, den Prüfungsraum gleich verlassen könne. Wie ich sie alle liebe!!

28.2.07 00:23
 


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