Wenn Karlo und Lodhuvigs über Ludher plaudern...

In der Reihe "Deutsch-französische Freundschaft" gilt es heute einmal wieder, auf einen besonderen Jahrestag hinzuweisen, der nicht nur Historiker-, sondern auch Linguistenherzen höher schlagen lässt: vor 1165 Jahren trafen sich zwei der drei Enkel Karls des Großen in Straßburg, um sich Waffenhilfe zu versprechen - in gut fränkischer Tradition natürlich gegen den dritten Bruder, der sich dummerweise auch etwas von dem Kuchen des ererbten Reiches abschneiden wollte. Wenn auch dies weniger nett ist, so ist doch umso mehr die Tatsache erfreulich, dass sich zumindest die anderen beiden einigermaßen gut verstanden, wie gesagt, bei Merowingern und Karolingern nicht gerade eine Selbstverständlichkeit. Reden wir also in gut anachronistischer Weise von einer deutsch-französischen Freundschaft, die allerdings (auch) in diesem Fall wohl eher einem Waffenstillstandt ähnelt... Ein Blog mit dem schönen Namen "Langue sauce piquante" betitelt dieses Ereignis "la naissance du francais" - sind doch die schriftlich festgehaltenen Reden der beiden kämpferischen Brüder das erste Zeugnis für die auseinandergedrifteten Volkssprachen dies- und jenseits des Rheins. "Roman" und "tudesque" eben. Und damit die Truppen auch wussten, wofür sie ihren Kopf hinhalten müssen, waren die Herren so nett, ihre Loyalität jeweils in der Sprache der Truppen des anderen zu bekunden. Heraus kommt dabei bei den Texten von Ludwig bzw. von Karls Truppen (den beiden auf Romanisch) eine ganz wunderbare Sprache, zu erwähnen wäre da beispielsweise: "pro deo amur" (deus ist noch dekliniert... naja, sagen wir, der Wille war da!) oder "salvarai" (na das ist doch schon ein schönes französisches Futur!). Tja, ab da wars dann trotz solcher Einvernehmlichkeit vorbei mit dem Traum von deutsch-französischen Großstaat (nur noch ein Jährchen bis Verdun...) und man ging ziemlich schnell dazu über, sich ein Jahrtausend lang gegenseitig zu bekriegen. Insofern möge man mir meine Anachronismen in diesem Text verzeihen. Der Ton des Dialoges ist ja durchaus vorbildhaft, wenn auch weniger die Tatsache, dass man sich eigentlich nur trifft, um gegen den armen Lothar zu paktieren - wenn die zwei gewusst hätten, was ihren Nachfahren die guten lotahringischen Länder noch für Probleme machen würden... Aber das ist am heutigen Gedenktag (nennen wir ihn einmal so) ja egal, denn die Hauptsache ist doch die Geburt einer ganz wunderbaren Sprache (naja, es waren ja zwei...) Wunderbarerweise heißt übrigens der gute Lodhuvigs (nennen wir ihn Ludwig...) bei den Franzosen nicht "der Deutsche", sondern "le Germanique", was doch irgendwie eindeutig besser in die Zeit passt.

Morgen gehts ja los nach Island Der Rucksack ist gepackt, Wintermantel und Stiefel liegen bereit! Das erwartet mich morgen: Zugfahrt nach Bergerac, Flug nach London, Flug nach Kevlavik. Start: 8 Uhr am Bahnhof, Ankunft: irgendwann nach Mitternacht. Wo die ganze Zeit bleibt? Auf dem Weg zwischen Bergerac und dem fünf Kilometer entfernten Flughafen. Ich habe für diese Weltreise immerhin knapp acht Stunden Zeit. Es gibt nämlich zwischen 8 Uhr und 16 Uhr keinen Zug von Bordeaux in diese nette Kleinstadt. Naja. Es soll ja sonnig werden, da kann ich mirs ja mit zwei Rucksäcken und Wintermantel irgendwo bequem machen

14.2.07 20:03
 


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