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Carnaval de Bordeaux
Am Sonntag war hier Fasching. Ich dachte mal, Reykjavik wäre mit seinem innovativen Termin - dem Aschermittwoch - schon leicht spät dran, aber die Franzosen lassen sich da noch mehr Zeit, es gibt auch Städte, wo das Ganze erst im Laufe der nächsten Wochen stattfindet. Nachdem anscheinend schon am Freitag und Samstag diverse entsprechende Partys waren, gabs am Sonntag dann also den Umzug. Eigentlich kann ma mich mit Fasching ja jagen, aber das wollt ich mir dann doch mal anschauen - vor allem bei dem wunderbaren, fast schon T-Shirt-tauglichen Frühlingswetter, das wir seit Sonntag haben Nach ein einem kleinen bisschen normalem Unialltag gibts ab morgen die nächste Abwechslung, Lisa Z ist bis Sonntag zu Besuch. Mal schauen, ob es mich schon wieder auf die Düne verschlägt |
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Lascaux
Eigentlich ist ja gerade Wochenende, das hält französische Unis natürlich nicht davon ab, Klausuren schreiben zu lassen. Und so bin ich gestern morgen in die Uni, um um neun ein Examen in Alter Geschichte zu schreiben, Thema: die Seleukiden, also Hellenismus. Art des Examens, sehr beliebt hier in Frankreich (die Gründe dafür dürften schnell klar werden): Es wird ein Thema, entweder für einen Commentaire (Aufsatz zu einer Quelle) oder eine Dissertation (Aufsatz im Allgemeinen halt), dazu müssen dann Einleitung, Schluss und ein Plan détaillé erstellt werden, also eine Gliederung (was denn sonst) mit drei Ebenen. Wir bekamen dann ein Dissert-Thema, "der Umgang der Seleukiden mit unterworfenen Städten". War ganz nett gewesen, jetzt hab ich auch meine Erfahrung mit diese wunderbaren Art von Leistungserhebung gesammelt. Da man sich ja auch außerhalb der Uni bilden will, gings im Anschluss mit Feli, Janina und Philip gen Ost-Nord-Ost, in Richtung der berühmten Höhle Lascaux, bekannt für ihre beeindruckende Höhlenmalerei. Lascaux liegt im Périgord, zusammen mit ca. 300 anderen, meist auch sehr nett bemalten Höhlen. Streckenlänge: 170 km, Zeitangabe des Routenführers (ohne Autobahn): zweieinhalb Stunden. Wir haben vier gebraucht und eigentlich gar nix falsch gemacht, nicht verfahren oder so... Naja, dadurch wurde es dann leider leicht spät und wir waren erst um kurz vor vier in Montignac, dem Städtchen neben der Höhle. Sehr schade, denn die Gegend dort ist wirklich wunderschön! Ganz anders als um Bordeaux, erinnert ein bisschen an die fränkische Schweiz - hätte man prima n bissl wandern können! Wir mussten dann halt schnell zur Höhle, da die letzte Führung schon um dreiviertel fünf war... Zu besichtigen gibt es (für 8,20 €...) nicht die Origninalhöhle, sondern eine detailgetreue Nachbildung (also Farben und vermutete Techniken der Cro-Magnon-Menschen), damit die echte Höhle gut konserviert und erforschbar bleibt. War schon viel Geld, aber es hat sich meiner Meinung nach absolut gelohnt. Die Führung war sehr interessant und die Malereien an sich natürlich total beeindruckend. Naja, nach einer Stunde in der Höhle mussten wir diesen traumhaft schönen Tag (Sonnenschein! Frühling!) nach einem kurzen Spaziergang durch Montignac (das wegen Hochwasser halb unter Wasser stand, weiß gar net wo das ganze Wasser grad herkommt...) wieder durch (diesmal nur drei Stunden) Autofahren beenden. Schade! Ich finde, es hat sich trotzdem gelohnt, aber anders wär besser gewesen - so um sieben losfahren oder ein Zelt mitnehmen oder so. Die Zugverbindungen dahin sind eher mäßig, aber ich hoffe ich finde noch eine Möglichkeit, da irgendwann nochmal hinzukommen! |
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Wie schreibe ich eine Gliederung an die Tafel?
Gabs ja schon länger nimmer hier, aber es doch mal wieder allerhöchste Zeit für neue Berichte aus dem spannenden Unileben. Thema heute: siehe Titel. Ort mal wieder der 3-Stunden-TD über römische Geschichte. Da müssen pro Sitzung drei Referate gehalten werden, jeweils zwanzig Minuten. Es spricht nicht gerade für das Zeitmanagement der Franzosen, dass zwei der Referenten heute nach ca 2/3 ihrer Vorträge unterbrochen wurden wegen exzessiven Überziehens. Es spricht allerdings auch nicht unbedingt für die Dozentin, dem dritten Referenten einen ewig langen Vortrag über Zeitmanagement zu halten, weil er 23 Minuten gebraucht hat. "Haben Sie es daheim nicht geübt?" "Haben Sie die Zeit zum an die Tafel-Schreiben nicht eingeplant?" - Womit wir beim Thema wären. Die Gliederung und die Tafel. Über die Bedeutung französcher Gliederungen dürfte der treue Leser hinreichend informiert sein. Nicht allerdings über die der Tafel,meist das einzige eingesetzte Medium. Referent Nr. 1 teilte ein "Handout" aus, also die Gliederung, und verwendete die Tafel lediglich zum Anschreiben mehr oder weniger komplizierter Begriffe und zum Notieren von Zahlen / Buchstaben, die anzeigen sollten, bei welchem Gliederungspunkt er sich gerade befand. Ein vollkommen inakzeptables Vorgehen. Denn die Gliederung muss an der Tafel stehen! Der Referent wandte ein - der geneigte Leser mag sich mit diesem Standpunkt identifizieren - dass eine gedruckt vorliegenden Gliederung doch reichen müsse (ich füge hinzu: und besser ist). Aber nein: So überflüssiges Zeug wie Kopien sind nicht nötig, dafür ist es unerlässlich, dass die Titel aller Über- und Unterpartien an die Tafel geschrieben werden. Referent Nr. 2 nahm sich dies zu Herzen (er hatte auch keine Handouts). Während seines Referates schrieb er also fleißig die Titel an (und redete deshalb des Öfteren eher zur Tafel als zu uns), wobei er nach dem Ende jedes Hauptpunktes diesen mitsamt Unterpunkten wegwischte. Ein durchaus mangelhaftes Vorgehen. An dieser Stelle sah die geplagte Dozentin die Zeit gekommen für eine erneute Vermittlung (wie in der ersten Sitzung schon) der grundlegenden Technik des Gliederunganschreibens, unerlässlich für den erfolgreichen Werdegang des französischen Studenten. Man schreibe den Titel des Referates an. Daraufhin die erste Kapitelüberschrift, dann sukzessive die Unterüberschriften. Nach Ende des ersten Teils wische man die Unterüberschriften weg und notiere "grand deux" unter "grand un". Dann wieder die "sous-parties". Nach Ende des zweiten Teils wische man die Unterüberschriften weg und verfahre ebenso mit dem dritten Teil, auf dass man am Schluss den Referatstitel und die Kapitelüberschriften an der Tafel habe. Und wer nun glauben möge, dieses Vorgehen sei ein klassischer "acte gratuit", der sehe seinen Irrtum ein: bei den "concours", v.a. bei den Abschlussprüfungen fürs Lehramt, scheint die strikte Anwendung dieses Schemas unerlässlich zu sein. ich befürchte wirklich, es sind nicht nur leere Drohungen, wenn die Dozentin immer wieder betont, dass ein Student, der von diesen Vorgaben abweicht, den Prüfungsraum gleich verlassen könne. Wie ich sie alle liebe!! |
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So, machen wir weiter...
Dienstag: fleißiges Rumfahren durch Island. Wir haben uns ein Auto geliehen, um die Highlights des Südwestens abzuklappern. Rike war mit von der Partie, allerdings weiterhin ziemlich krank und meistens im Auto zu finden. Isländische Buckelpisten zu fahren, ist eine wunderbare Erfahrung - und noch wunderbarer ist es, auf diesen verlassenen Straßen einfach mal irgendwo stehen zu bleiben und bei perfekt sonnigem Wetter einen wunderbaren Ausblick zu genießen - im Zweifelsfall aus dem Auto, weil der Wind einen mal wieder vom Aussteigen abhält Am Mittwoch haben wirs wieder etwas ruhiger angehen lassen. Erstmal gings ins Nationalmuseum, was sehr nett gemacht ist und doch nen Haufen neue Informationen zu bieten hatte - und lustige Computeranimationen mit sehr genial aussehenden Wikingern. Danach noch eine Ausstellung mit Bildchen aus alten Büchern und auch ein paar der alten Bücher selbst, was mich doch darin bestärkt hat, endlich mal die Edda zu lesen - so viele spaßige mordende und betrügende Götter mal wieder! Abends dann lecker Meeresgeviech (man ist ja auf Island!) in nem schnuckelig kleinen Restaurant - und so hatten wir den (bis auf Sa) einzigen Schlechtwettertag der Woche durchaus gut rumgekriegt! Die letzten zwei Tage war ich wieder allein unterwegs, Wandern in der Umgebung von Reykjavik. Am Donnerstag gings zu einem See am Rande eines großen Naturschutzgebietes, den ich dann in vier oder fünf Stunden mit meherern Abstechern großzügig umrundet habe. Das Wetter war absolut traumhaft, viel Sonne und manchmal richtiggehend wenig Wind - richtig begeistert war ich, als ich irgendwann Mütze und Handschuhe ausziehen konnte und mich zu einer kleinen Pause ins Tundragras an den vereisten See setzen konnte Ja und am Samstag hieß es dann, um halb vier aufstehen und eine neue Odyssee überstehen. Hat auch wieder alles gut geklappt, mal abgesehen davon dass ich die Wanderung vom Flughafen nach Bergerac im Regen zurücklegen durfte - verdammt, warum ist auf Island strahlender Sonnenschein und hier mal wieder Dauerregen? Die Ankunftshalle von Bergerac ist noch viel genialer als der Rest: Eine zeltartige Konstruktion, in der so ein "Gepäckband" aus Rollen steht, auf dem man die Koffer selbst weiterschieben muss. Ein Erlebnis! Also, Island: Die Woche war wirklich wunderbar, vielen Dank auch nochmal an Rike, die mich so lange beherbergt hat und ihre letzten Kräfte mobilisiert hat um mich nicht nur mutterseelenallein durchs Land ziehen zu lassen! Wundersamerweise bin ich nicht krank geworden und hoffe natürlich, auch zu ihrer Genesung mit ein wenig Bordelaiser Rotwein (und Käsespießen! und dem Revoluzzer! *g*) beigetragen zu haben |
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Island!!! :)
Da bin ich wieder, zurück im sonnigen Süden, nach ner guten Woche Island. Schön wars! Hier eine hoffentlich nicht zu lange Zusammenfassung: Erstes Highlight war natürlich die Anreise am Donnerstag. Los gings mit dem 8 Uhr-Zug nach Bergerac, wo ich dann von viertel zehn bis fünf vor fünf Zeit hatte, zum Flughafen zu kommen. Das sind ca 5 oder 6 Kilometer, nach 1 1/4 Stunden war ich dort und durfte warten. Was ja schon bei normalen Flughäfen nicht sonderlich viel Spannung verspricht, wird in Bergerac noch um Welten übertroffen - der Flughafen ist mit das genialste, was ich jemals sehen durfte. Irgendwo im Nirgendwo steht n kleines Gebäude rum (die Abflugshalle), keine Menschen in der Nähe. Daneben ein Bistro und die "Ankunftshalle". Naja, auf jeden Fall saß ich dann da mutterseelenallein und wunderbarerweise mit einem netten Buch. Was ich an diesem Nachmittag gelernt habe: auch Joghurts können Mordwaffen sein. Was dazu führte, dass ich vor dem Einchecken binnen weniger Minuten nicht nur einen Liter Bitter Lemon und einen halben Liter Wasser getrunken, sondern auch noch drei Joghurts gegessen habe, eigentlich meine Essensration für den Rest des Tages (mal abgesehen von einem Apfel - kein Mordwerkzeug?!) - mich wundert, dass mir nicht total schlecht wurde... Nach Umstieg in London und Weiterflug nach Keflavik und Bustransfer war ich dann um halb eins oder so (Ortszeit) endlich bei Rike in ihrem sympathischen 9 m²-Zimmer mit einer kleinen Matratze für mich zwischen Klo und Zimmertüre Von Fr bis So waren wir dann im hohen Norden, mit noch 13 anderen Menschen, in der Nähe (etwas westlich) von Akureyri. Der Freitag Nachmittag / Abend ist erstmal komplett für die Hinreise draufgegangen (schon faszinierend, wie wenig weit ma in knapp fünf Stunden kommen kann!), bis wir unser nettes Ferienhaus bei einer Farm mitten im Nirgendwo beziehen konnten. Gelegenheit also für mich, einigermaßen beruhigt festzustellen, dass ich trotz Frankophonie mein Englisch noch nicht vergessen habe, auch wenn es natürlich gerne mal von französischen Wörtern durchsetzt ist Am Montag habe ich mir dann bei strahlendem Sonnenschein Reykjavik angeschaut - allein, da es Rike weiterhin so richtig schön schlecht ging... Die Stadt würde ich jetzt nicht als klassisch "schön" bezeichnen, dafür ist sie zu jung und uneinheitlich, aber auf jeden Fall als sehr interessant! Die größte Stadt der Insel hat 116 000 Einwohner und ist demensprechend wunderbar zu Fuß abzulaufen. Zu sehen gibt es beispielsweise den Sitz des Präsidenten (erinnert ein bisschen an ein Gartenhaus), das Parlamentsgebäude (knuddelig!) und die Kathedrale, die eher die Größe einer Minikapelle hat. Dann wäre da noch der Stadtsee mit Monsterenten, umgeben von sehr schön anzusehenden Häuserzeilen. Der Baustil der Stadt ist sehr stark von Wellblech geprägt, was die Häuser meist sehr farbenfroh macht. Alle Statuen in der Stadt (mal abgesehen von dem Leif Eriksson vor der Hallgrimskirkja, der neueren - und größeren - Kirche, deren Gestaltung an Basaltsäulen erinnern soll) sind vom gleichen Bildhauer gestaltet und relativ jung und dementsprechend schwer auseinanderzuhalten Ich mach jetzt doch ma Pause, wird zu viel... Fortsetzung irgendwann nachher! |
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Wenn Karlo und Lodhuvigs über Ludher plaudern...
In der Reihe "Deutsch-französische Freundschaft" gilt es heute einmal wieder, auf einen besonderen Jahrestag hinzuweisen, der nicht nur Historiker-, sondern auch Linguistenherzen höher schlagen lässt: vor 1165 Jahren trafen sich zwei der drei Enkel Karls des Großen in Straßburg, um sich Waffenhilfe zu versprechen - in gut fränkischer Tradition natürlich gegen den dritten Bruder, der sich dummerweise auch etwas von dem Kuchen des ererbten Reiches abschneiden wollte. Wenn auch dies weniger nett ist, so ist doch umso mehr die Tatsache erfreulich, dass sich zumindest die anderen beiden einigermaßen gut verstanden, wie gesagt, bei Merowingern und Karolingern nicht gerade eine Selbstverständlichkeit. Reden wir also in gut anachronistischer Weise von einer deutsch-französischen Freundschaft, die allerdings (auch) in diesem Fall wohl eher einem Waffenstillstandt ähnelt... Ein Blog mit dem schönen Namen "Langue sauce piquante" betitelt dieses Ereignis "la naissance du francais" - sind doch die schriftlich festgehaltenen Reden der beiden kämpferischen Brüder das erste Zeugnis für die auseinandergedrifteten Volkssprachen dies- und jenseits des Rheins. "Roman" und "tudesque" eben. Und damit die Truppen auch wussten, wofür sie ihren Kopf hinhalten müssen, waren die Herren so nett, ihre Loyalität jeweils in der Sprache der Truppen des anderen zu bekunden. Heraus kommt dabei bei den Texten von Ludwig bzw. von Karls Truppen (den beiden auf Romanisch) eine ganz wunderbare Sprache, zu erwähnen wäre da beispielsweise: "pro deo amur" (deus ist noch dekliniert... naja, sagen wir, der Wille war da!) oder "salvarai" (na das ist doch schon ein schönes französisches Futur!). Tja, ab da wars dann trotz solcher Einvernehmlichkeit vorbei mit dem Traum von deutsch-französischen Großstaat (nur noch ein Jährchen bis Verdun...) und man ging ziemlich schnell dazu über, sich ein Jahrtausend lang gegenseitig zu bekriegen. Insofern möge man mir meine Anachronismen in diesem Text verzeihen. Der Ton des Dialoges ist ja durchaus vorbildhaft, wenn auch weniger die Tatsache, dass man sich eigentlich nur trifft, um gegen den armen Lothar zu paktieren - wenn die zwei gewusst hätten, was ihren Nachfahren die guten lotahringischen Länder noch für Probleme machen würden... Morgen gehts ja los nach Island |
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Schon doof. Zumindest ein bisschen.
Ich sitz grad in meinem Zimmer und schau in den Regen und weiß nicht ob ich eher total traurig, nur ein bisschen traurig oder trotz Traurigkeit irgendwo sehr fröhlich sein soll. Naja, vielleicht von allem etwas. Heut mittag ist Lukas wieder heimgefahren, nach vier wunderschönen Tagen. Die natürlich viel zu kurz waren, vor allem in Relation zu so einigen Monaten. Verdammt. Ich dachte doch mal "sowas" bleibt mir hier "erspart" - so kann man sich irren... Kann ma sich nicht aussuchen |
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Karl Marx wählt Le Pen
... würde er zumindest, wenn er heute leben würde und Alain Sorel, seines Zeichens gewesener Kommunist und mittlerweile Vorkämpfer der Front National, Recht hat. Denn: nur der Nationalismus besitzt die Grundlagen, um eine wirkliche wirtschaftliche und soziale Alternative zu der hereinbrechenden Globalisierung und Ultraliberalismus zu bieten. Denn die Front National ist nicht nur einfach eine Vereinigung von Arbeitern, mittelständischen Unternehmern und Handwerkern - nein, sie verkörpert gerade zu den "esprit de la Commune", also des republikanisch-kommunistischen Aufstandes 1870 in Paris, der dem 2nd Empire den Todesstoß versetzt hat (frei zitiert nach dem entsprechenden Artikel auf lemonde.fr). Ach ja. Naja, so langsam meldet sich Le Pen (oder seine Jünger) also auch im Wahlkampf zu Wort. Übrigens: in Frankreich wird gerade daran gearbeitet, dass sich Neuwähler nicht selbst bei ihrem Rathaus oder so auch immer melden müssen, sondern - wie eigentlich in der überwiegenden Mehrheit der Länder - automatisch erfasst werden. Klingt antik. Sollte mindestens so tot sein wie Karl Marx es ist Heute hatte ich das erhebende Erlebnis, in der Vorlesung zum 18. Jh. in Zentral- und Osteuropa genau das hören zu dürfen, was ich im dazugehörenden Seminar letzte Woche über Polen erzählt habe. Und das erschreckende: was der Knabe da erzählt hat, hat mich eindeutig zu stark an ein Buch erinnert, das ich auch für das Referat gelesen habe. Bitte, ein bissl selbst arbeiten oder zumindest denken! Hier ist mittlerweile wieder typisches Bordelaiser Winterwetter eingezogen, 10°C und Dauerregen. Naja, meine Hoffnungen auf Schnee werden sich ja hoffentlich auf Island erfüllen! |
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Erleichterung, wenn auch planlos
Ich habe gerade ein lustiges Telefonat mit unserem Vermieter hinter mir. Wie ich sicher dem Großteil meiner treuen Lesergemeinde schon vorgejammert habe, mussten Claudia und ich ja den Mietvertrag für ein Jahr abschließen und haben uns schon immer Sorgen gemacht, Hunderte von Euros für Juli und August sinnlos aus dem Fenster schmeißen zu müssen. Nachdem unser Vermieter auf unseren Brief von vor zwei Wochen (der so richtig schön offiziell und höflich formuliert war, mit Bitte um ein Treffen und so) nicht reagiert hat, hab ich vorhin eben angerufen. Was sehr lustig war. Er scheint damit gar kein Problem zu haben, teilweise haben wir glaub ich n weng aneinander vorbeigeredet, weil ich nicht davon ausgegangen bin, dass er das wirklich so locker sieht, aber als er dann angefangen hat zu erzählen dass er dann Anzeigen schaltet und so (was wir ja auch übernommen hätten) und sich das anscheinend auch gleich notiert hat war ich begeistert! Ein Problem ist nur irgendwie, dass er es für unseren Geschmack vielleicht doch etwas zu locker sieht - das Gespräch hat mal wieder so richtig in mein Bild von ihm als reichem Knacker, dem es eigentlich total egal ist wer wie lange in der Wohnung wohnt und der zwei verplante, arme Studentinnen primär amüsant und gewiss nicht problematisch findet, gepasst! Er klang halt nur leider nicht so, als ob er das noch irgendwie schriftlich fixieren wollen würde - was uns doch schon wichtig ist, auch wenn wir ihn für einen netten Menschen halten! Naja mal sehen, irgendwann werden wir ihm schon mal wieder über den Weg laufen (wenn er mal wieder in seinem Stadtwohnsitz weilt *g*), und dann halten wir ihn einfach fest |
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Nochmal Toulouse
Am Samstag stand mal wieder ein Ausflug auf dem Programm - nach Tours hatte ich mir mal wieder was richtig Schönes verdient, und so gings nach Toulouse, wo ich ja im November auf meiner Südfrankreichtour schonmal für ungefähr drei Stunden oder so war. Diesmal waren es dann zehn, und es hat sich absolut gelohnt! Die Stadt ist wirklich wunderschön, neben Bordeaux glaube ich die einzige Stadt, die ich jetzt seit ich in Frankreich bin gesehen habe, und in der zu wohnen ich mir auch gut vorstellen kann. Geprägt wird die Stadt ja durch die in allen möglichen Rottönen zu bewundernden Gebäude, es ist wirklich faszinierend, wie doch irgendwo unterschiedlich die Töne sind, aber eben doch alles zusammenpasst - und rot ist sowieso alles, nicht nur in der Altstadt. Es gibt viele besonders schöne und interessante Gebäude, v.a. Kirchen, die wiederum sehen schon irgendwie alle gleich aus (Romanik in rotem Stein?) Einen besonderen Glücksmoment von dem ich hier noch gar nicht erzählt habe, hatte ich am Mittwoch. Nachdem mir kurzfristig ein Seminar ausgefallen ist und ich also drei Stunden frei hatte, hab ich mich in die Bib bewegt, um Sachen für einen Commentaire über drei Briefe von Plinius an Trajan zu finden. Ja und dann saß ich zwei Stunden lang im hintersten Eck des obersten Stockwerks und habe in der RE geschmökert (nicht-Historiker mögen mir die Abkürzungen verzeihen!). Es war zwar die Reihe der Erstausgaben, so 1897, aber immerhin! Als ich dann auch noch die ILS und die MGH gesehen habe, und zudem lateinische Ausgaben von Plinius und Kollegen, war mein Glück perfekt! Es ist nur symptomatisch - der gute Pauly war natürlich auf deutsch, im gleiche Regal gab es auch noch den kleinen und den neuen - und zwei französische Lexika, jeweils zwei- oder dreibändig und nicht wirklich hilfreich. Trotz langer Suche - schon allein aus Neugierde - habe ich keine auch nur ansatzweise vergleichbaren Werke von Franzosen gefunden. Die MGH und die ILS sind ja auch von Deutschen herausgegeben. Naja, so dürfte wohl außer mir noch kaum jemand Pauly und Konsorten benutzt haben (MGH etc. wohl auch net so viel, da müsst ma ja Latein können) - und ich hatte zwar Spaß, für meinen Commentaire brauche ich aber 90% der Infos nicht, ebensowenig wie den lateinischen Originaltext. Ich wage zu bezweifeln, dass sich Studenten und Dozentin hier auch nur ansatzweise für meine Fragen / Überlegungen interessieren Lisa Z hat sich jetzt noch für n paar Tage Anfang März angemeldet, d h in näherer Zukunft werd ich wohl tendenziell eher weniger Zeit für die Uni haben, aber das ist ja auch nicht schlimm |
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Viel gesehen hab ich dann allerdings nicht davon, weil sich riesige Menschenmassen um den Zug gesammelt hatten, der auch über eine Stunde lang gewesen sein muss. Der Zug war schon ganz nett, normaler Faschingszug halt, wenn auch mit weniger "thematischen" (politischen oder so) Wagen wie meistens in Deutschland. Verkleidet wurde sich auch fleißig, vorherrschend waren dabei gelb und rot, aus irgendwelchsen Gründen die "Faschingsfarben" hier (das stand irgendwo). Und überall in der Stadt sind Leute mit kleinen Wagen rumgestanden, an denen Konfetti verkauft wurde - und Unmengen von diesem unsäglichen Zeugs, dass ma sprüht und das dann so lange eklig aussehende Fäden macht (hat das nen Namen?). Sehr lustig auf jeden Fall. Aber ich bin dann doch lieber mit nem Buch in den Park und haben den Frühling da genossen
Irgendwo ans Meer muss auf jeden Fall mal sein, ist ja Frühling!